Wenn die Technik sozial wird

Keine Frage, wir verbringen viel zu viel Zeit in den neuen Medien. Laufen mit gesenkten Häuptern durch die Straßen, klicken wie wild stundenlang auf irgendwelchen Tastaturen rum und kommunzieren mit unserem „Tribe“ meist per Gerät miteinander. Wie würdest du es finden, wenn das ab sofort ein Roboter für dich übernimmt?

Harvey Wilks, ein guter Freund des Firmengründers von Doli.io testete genau diesen Service aus. Ein Bot übernahm in diesem Falle dessen Facebook- oder Twitter-Account und postete  Dinge in den Newsfeed seiner Freunde. Die Vorstellung wäre für mich eher belastend, als entspannend. Aber naja…

die Technik von Doli.io

Wilks testete dies während eines Familientreffens, auf dem er mal nicht als der Nerd dastehen wollte, der ständig seinen Freundeskreis mit News versorgt. Doli.io passt sich der Frequenz der bisherigen Beiträgen oder „Like“-Angaben des echten Nutzers an und scannt dafür den gesamten Seitenverlauf. Aus diesen Rückschlüssen wird der engste Freundeskreis definiert, welcher Kommentar wann geliked und wie häufig hin- und hergeschrieben wird. Diesen Berechnungen folgend versprüht R2D2 dann seinen Charme, ähm seine Posts.

Der Proband beobachtete die Aktionen des Bots ganz genau: wie er scheinbar beliebig auf Kommentare reagierte oder eine Einladung eines Freundes absagte. Das konnte das Programm, weil es wusste, dass der Nutzer soeben in Kopenhagen weilte, die Einladung jedoch für London galt. Wirklich beeindruckend war allerdings, dass er den Freund nicht mit dem gemeldeten Facebook-Namen ansprach, sondern mit dessen Spitznamen, den er vorher aus dem Chatverlauf zog.

Glückwünsche vom Roboter

Am Folgetag gratulierte der Bot vier Freunden zum Geburtstag, von denen sein Herrchen noch nicht einmal wusste, dass sie Geburtstag hatten. Bei Managern dürfte das wohl den Part der Sekretärin – Pardon Assistentin – ersetzen.

Ehrlich gesagt würde ich es ja so richtig reizvoll finden, wenn es einen Bot gäbe, der alle Facebookfreunde „entsorgt“, die einen ungefragt in irgendwelche dubiosen Gruppen schieben. Oder jene sofort ins Nirwana schickt, die fröhlich das Postfach zuspammen mit „Hello“, „Wie geht es dir“, „Like doch bitte mal Seite XY“. Also da wär ich dabei ;o)

Also nicht das ich etwas dagegen hätte, wenn uns lästige Arbeit abgenommen wird, doch sind ein paar nette Worte zum Geburtstag wirklich so dramatisch? Ganz abgesehen davon, dass ich es recht schräg finde, wenn ein Roboter meine Handlungsweisen nachzuahmen versucht. Er kopiert das, was ich in sozialen Medien darstelle. Gruselig!

Klar hängen wir zuviel in sozialen Netzwerken ab, doch dazu zwingt uns ja keiner. (Und falls es schon eine Sucht ist, ist der Bot wohl nicht die Lösung, dann brauchts eher einen Therapeuten.) Ich käme auch nicht auf die Idee, einen Roboter für mich Sport treiben zu lassen, weil ich dann für anderes Zeit hätte, zum Essen zum Beispiel. Fitnessarmband um und ab geht die Luzi, während ich beim Eisdealer schlemme.

Wozu sind wir in sozialen Netzwerken, wenn wir nicht sozial netzwerken? Wir wollen weniger Zeit mit unser „Display-Sucht“ verbringen und geben das Liken und zum Geburtstag gratulieren an einen Roboter ab. Und was machen wir dann mit der geschenkten Zeit? Fernsehen! PS2! World of Warcraft!

 

 

 

Ein Gedanke zu „Wenn die Technik sozial wird

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