Wer braucht Technik zum Einkaufen?

Düsteres Szenario, dunkle Wolken hängen über unserem Einkaufsparadies. Der gemeine Reality-Dealer um die Ecke fürchtet um seine Konkurrenz. Erst wurden die kleinen Tante Emma-Läden von den großen Märkten vertrieben, nun fürchten sie sich selbst vor der übermächtigen Onlinewelle, die alle Läden verschlingt. Die Angst geht um.

Schade das ich hier keine Geräusche unter den Text legen kann, denn gerade habe ich Psycho im Ohr. Der Bösewicht wartet mit dem Messer auf der anderen Seite des Duschvorhangs. Uaaaaaaah.

Totgesagte leben länger

Keine Sorge mit mir ist alles in Ordnung. Ich lese nur immer wieder kopfschüttelnd davon, dass die Händler vor Ort solche Einbußen haben, weil das böse Onlinegeschäft ihnen die Kunden klaut. Leute, wie lange gibt es Online-Shops? Nicht erst seit gestern. Punkt a) Ihr hattet genug Zeit euch darauf vorzubereiten. Punkt b) reale Einkaufsmöglichkeiten wird es immer geben so wie Bücher aus Papier (und die wurden auch schon zu Grabe getragen, als das ebook populär wurde).

Ich lese nun also einen Artikel darüber, dass die amerikanische Supermarktkette Walmart mit Technik der Zukunft experimentiert. Roboter Einkaufswagen sollen die Kunden zurück in den Laden vor Ort locken.  Zusammen mit dem Unternehmen Five Elements Robotics wird an einem smartem Einkaufswagen getüftelt der die Einkäufe des Kunden durch die Hallen transportiert. Heißt also, der Kunde schiebt nicht mehr den Einkaufswagens, sondern der Einkaufswagen folgt dem Kunden.

Andererseits, wenn der Wagen mir folgt und ich stelle mir jetzt die engen Supermarktgänge vor, also bei Mehl, Zucker, Nüssen beispielsweise. Also da, wo – zumindest ich – nur ohne Wagen reingehe, um einen Stau zu vermeiden… Eine Karambolage vom Feinsten. Nö doch, das lockt bestimmt. Kann ich mir gut vorstellen:

Am Rande des Wahnsinns einfach mal hinsetzen und mit baumelnden Beinen die Aussicht genießen.

Also Sitzgelegenheiten wären eine gute Idee. Ein kleines Päuschen machen und das eine oder andere aus dem Angebot mal probieren. Und nein, ich meine nicht mitten im Gang einen Verkaufsaufsteller mit einem Mitarbeiter dahinter, der dir einen vertrocktneten Käsewürfel in den Mund schiebt und dann fragt, ob man nicht spontan Lust auf ein wöchtenliches Käseabo hätte. Dem Chaos zusehen und dazu ein paar Häppchen serviert bekommen. Das (mal ganz nebenbei) wäre wirklich mal eine Innovation!

Wo ist die nächste Ladestation?

Der Walmart-Einkaufswagen buckelt bei 9,5 Kilogramm Eigengewicht 23 Kilogramm an Waren durchs Gelände (ich frage mich gerade was so eine Kiste Bier wiegt?) und das für zehn Stunden mit einer Akkuladung. Also wie ich mich kenne, erwische ich dann immer die, die keinen Saft mehr haben und unterweg abnippeln. Natürlich am entferntesten Ende von der Kasse und genau dann, wenn der Wagen, ähm Robi, voll mit Flaschen ist. Für eine Party versteht sich. Doch kann ich mir gut vorstellen, ist bestimmt witzig, entweder einen neuen Robi holen und umpacken oder aber an der Kasse ein Akkuladekabel besorgen.

Haste mal einen Euro?

Da stellt sich mir doch gerade die Frage, steckt man da auch nur einen Euro (ähm oder Dollar) rein oder gleich einen Hunderter oder gar die Kreditkarte? So ein Robi kostet doch bestimmt… Das Suchen des „eigenen“ Wagens dürfte sich dann zwar erledigt haben, Doch woher weiß Robi denn, dass ich es bin? Peilsender? Chip? All-inclusiv-Bändchen? Und was, wenn er gekidnappt wird? Mit der Kreditkarte im Bauch würde sich das ja lohnen. Oh, mir fällt wieder Psycho ein…

Der absolute Kracher jedoch:  Robi verwaltet auch die Einkaufsliste des Kunden und gibt Hinweise für mögliche weitere benötigte Produkte. Nachtigall ick hör dir trapsen: Kunden, die Käse gekauft haben, kauften auch Rotwein oder wie? Wenn das euer Plan ist, ist er nicht sehr geschickt. Erinnert nicht im Entferntesten an Amazon. Überhaupt nicht. Mal abgesehen davon, Einkaufsliste verwalten??? Es gibt Menschen, die  können keinen Ticketautomaten bedienen und sollen dann per Chip einkaufen oder per Smartphonesynchronisation oder wie kommt der Einkaufzettel ins Robihirn? Wenn ich mir erst eine Datei erstellen muss, um dann Robi damit zu füttern, hab ich in der gleichen Zeit schon online bestellt.

Also wenn ihr schon wie das Kaninchen vor der Schlange erstarrt oder aber vor der drohenden Übermacht der Onlinehändler in wilden Aktionismus verfallt. Dann bitte seid doch mal kreativ, macht etwas anders. Versucht nicht den Onlineshop in den Supermarkt zu holen. Kunden haben immer weniger Zeit, deswegen kaufen sie online. Außerdem bekommen sie online das größere Angebot, damit könnt ihr nicht konkurrieren.

Setzt auf die Käufer, die Zeit haben oder unentschlossen sind und Waren anfassen und probieren wollen. Auf die Menschen, die eine Beratung wünschen und die von Menschen kaufen wollen. Dafür sollten ihr in euren Läden aber auch Menschen haben, keine Roboter.

 

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